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Vertrauen ist gut – Wissen ist besser!

Vertrauen ist gut – Wissen ist besser!

Posted by tw-Schule in Allgemein 18 Jul 2016

Ein Blogbeitrag unserer geschätzten Dozentin Kerstin Braun:

Wenn ein Hersteller von Katzen-(oder Hunde-)Futter eine neue Tiernahrung entwickeln und vermarkten will, dann muss er Fütterungsversuche durchführen, um sein Futter als ausgewogenes Alleinfutter deklarieren zu können. So will es der Verband US-amerikanischer Kontrollbehörden für Tierfutter AAFCO, und er hat dazu auch Mindestvorgaben entwickelt, wie ein solcher Versuch ablaufen soll. Hat der Hersteller den erfolgreich nach Protokoll durchgeführt, darf er auf seinem Etikett vermerken, dass Fütterungsversuche nach AAFCO-Vorgaben bestätigt haben, dass diese Nahrung ein ausgewogenes Alleinfutter ist. Der Verbraucher, so wird geraten, sollte auf diesen Hinweis achten und kann sich dann, wenn er ihn findet, entspannt zurücklehnen: Mit diesem Futter bekommt seine Katze alles, was sie zum Leben braucht. Lebenslang.

Wirklich?

Schauen wir uns die AAFCO-Vorgaben für Fütterungsversuche an, die international in der Branche als Goldstandard gelten: Es müssen 8 Versuchstiere über 6 Monate mit dem neuen Futter gefüttert werden. Am Ende des Versuchszeitraums müssen 6 Tiere überlebt und ein normales Gewicht haben, und die Werte einer nicht allzu umfassenden Blutuntersuchung müssen in Ordnung sein. Aber reichen 6 Monate wirklich aus, um Aussagen über die Auswirkungen einer lebenslangen Fütterung zu treffen? Oder über Degenerationserscheinungen, die sich erst im Laufe mehrerer – eben! – Generationen zeigen? Es gibt beispielsweise inzwischen Hinweise darauf, dass die „rassetypische“ Hüftgelenksdysplasie beim Deutschen Schäferhund maßgeblich durch die Ernährung mit (meist Fertigfutter bedingt sein könnte.

Großkonzerne wie der mit dem großen M, zu dem beispielsweise die bekannte Katzenfuttermarke mit dem großen W gehört, haben sich trotz der tollen Werbespots mit superniedlichen Katzen ganz sicher nicht das persönliche Wohlergehen unserer niedlichen Katzen zur Priorität gesetzt, sondern den konzerneigenen Profit. Und der lässt sich vor allem durch geschickte Vermarktung billiger Produkte erzielen, nicht durch hochwertige und artgerechte Nahrung für Mensch und Tier. Oder wieso glauben wir, eine Milchschnitte sei ein gesundes Pausenfrühstück für unsere Kinder? Wieso denken wir, dass mit Maiskleber zusammengepappte und zu trockenen Bröckchen gepresste Rübentrockenschnitzel mit ein bisschen Tiermehl ein ausgewogenes Alleinfutter für unseren Fleischfresser Katze seien? Greifen wir wohl zu Tütensuppen oder Bio-Kartoffelchips als Mittagessen, wenn wir uns gesund ernähren wollen? Wir überleben das vielleicht einige Zeit, ebenso wie unsere recht widerstandsfähigen Katzen und Hunde das seltsamste Industriefutter überleben. Aber Gesund geht anders.

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In der Fachliteratur zu Wildtieren im Zoo gibt es keine Vorgaben für Fütterungsstudien. Die Experten gehen vielmehr davon aus, dass es am besten sei, die Tiere mit dem zu füttern, was sie in der Natur fressen. Löwe, Tiger & Co. bekommen große rohe Fleischstücke, früher schon und heute immer noch (und hoffentlich auch Knochen, Haut/Fell/Federn und Innereien). Wieso nicht unsere kleine Katze, die sich zwar nicht von Antilopen, aber doch von Mäusen ernährt (wenn man sie lässt), jedenfalls nicht von Rübentrockenschnitzeln, Kartoffeln, Maiskleber oder Erbsen?

Wissen ist Macht – „und nichts wissen macht nichts“, ergänzten wir früher scherzhaft in jugendlichem Übermut. Stimmt aber nicht.

Kerstin Braun

Nicht-Wissen macht handlungsunfähig. Kann man aber ändern in machtvolles „tierisches Wissen“. Unser Seminarkalender enthält einige interessante Angebote zur artgerechten, gesunden Fütterung von Hund und Katz. Tierisch gewusst, wie!