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Neues vom Darm-Mikrobiom

Neues vom Darm-Mikrobiom

Posted by tw-Schule in Allgemein 07 Jan 2019

Ein Blogbeitrag unserer geschätzten Dozentin, Tierärztin Dr. med. vet. Silke Stricker:

Neues vom Darm-Mikrobiom

DDie Darmflora ist die Gesamtheit der im Darm von Tier und Mensch siedelnden Mikrorganismen. Der aktuellere Begriff Mikrobiom umschreibt die Gesamtheit aller auf und im Körper siedelnden Mikroorganismen, somit ist die Darmflora Teil des Mikrobioms.
Jeder Mensch und jeder Hund hat seine einzigartige, individuelle Darmflora. Dazu zählen Darmbakterien, Pilze (Hefen), Einzeller und sogar Viren. All diese kleinen Mikroorganismen leben in Symbiose mit ihrem Wirt. Sie leisten wichtige Verdauungsarbeit, produzieren Vitamine, Hormone und andere Stoffe, verdrängen pathogene Mikroorganismen und Parasiten, stabilisieren das Immunsystem. Als Gegenleistung bietet der Wirt ihnen einen geschützten Ort zum Überleben und stellt ihnen „Futter“ in Gestalt der aufgenommenen Nahrung zur Verfügung. Mikroben und die Darmschleimhaut sind ein eingespieltes Team.

Wussten Sie schon, dass sich die Darmflora von Hund und Mensch überraschend ähnelt? Eigentlich nicht verwunderlich, leben doch beide Spezies seit Jahrtausenden eng miteinander zusammen. Im Laufe der Zeit hat sich der Hund dem Zweibeiner immer enger angeschlossen und auf verblüffende Weise angepasst. So versteht unser treuer Begleiter inzwischen nicht nur unsere Art und Weise zu kommunizieren, er verarbeitet unsere sprachlichen Befehle sogar mit den gleichen Hirnarealen wie wir. Auch sein Langzeitgedächtnis arbeitet ähnlich.
Forscher stellten sich nun die interessante Frage, ob sich denn auch die Darmflora beider Spezies ähnelt – schließlich ernährte sich der Hund früher von dem, was der Mensch ihm an Nahrungsresten überließ. Dies könnte, so die Theorie, zur einer Angleichung und Überlappung der Darmflora auf beiden Seiten geführt haben.
Das Ergebnis ist anders als erwartet. Die Forscher haben die Flora von Hund, Schwein und Maus mit der menschlichen verglichen. Ausgerechnet die Darmflora der Hunde ist, genetisch betrachtet, der unsrigen ähnlicher als z.B. die Flora des Schweines. Wo doch gerade die Rüsselträger uns Menschen im Hinblick auf die Anatomie so eng verwandt sind, eine erstaunliche Entdeckung.

Auf eine Futterumstellung reagiert das Mikrobiom des Hundes wie das menschliche, nämlich mit einer Veränderung der im Darm siedelnden Arten. Bei übergewichtigen Hunden ist die Flora verarmt, die gewünschte Vielfalt ist nicht mehr gegeben. Die Wissenschaftler fütterten diese Hunde eiweißreich und beobachteten große Veränderungen der Artenvielfalt. Sachverhalte, wie man sie auch vom Zweibeiner kennt.
Der treue Begleiter des Menschen weist also erstaunliche Ähnlichkeiten hinsichtlich seines Darm-Mikrobioms auf. Damit könnte der Hund in Zukunft ein vielversprechendes Modell für die Erforschung der Funktion von Darmbakterien des Menschen sein. Umgekehrt sind Rückschlüsse vom Menschen auf den Vierbeiner möglich.

 

Kinder leiden seltener an Allergien, wenn ihr Immunsystem früh mit Bakterien und Parasiten in Kontakt kommt. Besonders Bauernhofkinder schulen und trainieren es mit Hilfe der Mikroben im Stall und sollen so einen Schutz vor späteren Allergien erfahren, so die seit dem Ende der 80er Jahre bekannte „Hygienehypothese“ des britischen Arztes D. Strachan. Es scheint so, als ob ein Zuviel an Sauberkeit sehr junge Menschen krank machen kann.
Die Erkenntnis, dass Kinder, die mit einem Hund zusammen aufwachsen, im Hinblick auf allergische Erkrankungen gesünder sind, ist schon etwa 10 Jahre alt. Nun haben Wissenschaftler geschaut, ob sie sich auch auf Hunde übertragen lässt. Auf dem Land lebende Hunde haben tatsächlich eine vielfältigere Flora, besonders wenn sie mehr als eine Bezugsperson und andere Tiere um sich haben, und sie leiden seltener an Allergien. Stadthunde mit einer einzelnen Bezugsperson sind demzufolge häufiger mit Allergien beim Tierarzt als ihre Vettern auf dem Land.

Sinnvolle Darmbakterien können übrigens auf die nächste Generation weitergegeben werden. Eine Hündin, die z.B. Milch gut verträgt, kann diese Bakterien ihren Welpen mit auf ihren Lebensweg geben. Auf diese Weide kommt ihr Nachwuchs ebenfalls gut damit zurecht. Dasselbe ist auch regional zu beobachten, z.B. können Hunde von Fischern durchaus große Portionen Fisch verdauen.
In Zukunft wird es sicherlich noch viele spannende Erkenntnisse über die „Bakterien-WG“ im Darm geben.

 

Du möchtest von Dr. Silke Stricker lernen? Sie lehrt an unserer Schule die folgenden Themen:

Gesunder Darm, gesundes Tier

Entgiften 1, Tiere richtig entgiften

Entgiften 2, Übersäuerung

Labordiagnostik – ein Buch mit 7 Siegeln

 

 



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