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Langeweile im Katzenhaushalt

Langeweile im Katzenhaushalt

Posted by Team Tierisches-Wissen in Allgemein 29 Okt 2019

Ein Blogbeitrag unserer geschätzten Dozentin Corinna Dördelmann:

 

Gibt es das bei dir? Hast du das Gefühl, deine Katze ist nicht ausgelastet? Aber du weißt nicht, wie du das ändern kannst? Ich werde dir heute ein paar Tipps an die Hand geben, wie du den Alltag deines Stubentigers interessanter gestalten kannst. 

 

Wie erkenne ich, dass sich meine Katze langweilt? 

 

Langeweile kann sich ganz unterschiedlich äußern. Meist betrifft es Einzelkatzen, die in Wohnungshaltung leben. Wenn die oder der Besitzer dann auch noch den ganzen Tag außer Haus sind und Miez reizarm zu Hause bleibt, kann es ein langer und einsamer Tag werden. Abends ist dann der Dosenöffner endlich wieder zu Hause, aber oft zu müde von einem langen Arbeitstag, um noch ausgiebig mit dem Stubentiger zu spielen. Es wird zwar gekuschelt, aber auspowern kann sich das arme Tier nicht. 

Das kann auf lange Sicht zu Unzufriedenheit und auch Stress für die Katze führen. Folgen von Unausgeglichenheit können sein: 

 

 

Unsauberkeit 

 

Zerkratzen von Möbeln o.ä. 

 

Übergewicht durch zu wenig Bewegung; die Katze schläft viel und wird träge 

 

Aggressives Verhalten den Besitzern, Fremden oder anderen Tieren gegenüber 

 

Infekte der unteren Harnwege ausgelöst durch Stress 

 

 

 

Du fragst dich jetzt vielleicht, wie Stress zu Harnwegsinfektionen bzw. Blasenentzündung führen kann? Es gibt Untersuchungen, die gezeigt haben, dass Katzen mit einer idiopathischen Harnwegsinfektion (idiopathisch = es konnte keine Ursache gefunden werden) geringere Mengen an Stresshormonen produzieren und daher Stress nicht ausreichend verarbeiten können. Zudem haben diese Tiere eine verminderte Glykosaminglykanschicht (GAG) des Urothels in der Blase. Das bedeutet, dass die innere Zellschicht der Blase dünner ist, als bei nicht gestressten Katzen. Das führt zu einem verminderten Schutz der darunter liegenden Nervenendungen und damit zu einer Stimulierung und Aktivierung der C-Fasern (Schmerz-Fasern).

Das wiederum führt zur Ausschüttung von Substanz P, ein Peptid, das eine Rolle als Modulator bei Entzündungen spielt. In der Blase entstehen nun eine erhöhte Durchlässigkeit und eine vermehrte Ausschüttung lokaler Entzündungsprodukte. Die Folge davon sind Punktblutungen in der Mukosa (= innere Zellschicht von Hohlräumen), Proteinausschüttung in den Harn und Schmerzen. Eine Harnwegsinfektion kann dann natürlich in Unsauberkeit resultieren. Die Katze bringt die Schmerzen, die sie beim Wasser lassen hat mit dem Ort in Verbindung und sucht sich einen anderen Ort, um sich zu erleichtern, in der Hoffnung, dass sie dort keine Schmerzen hat. 

 

Unterforderung muss natürlich nicht direkt in Krankheit resultieren. Aber auch mit einer durch Langweile aggressiven Katze ist nicht zu Spaßen. Die scharfen Krallen und spitzen Zähne sind durchaus schmerzhaft und können fiese Entzündungen verursachen. Ich denke, niemand will Angst vor seiner eignen Miez haben müssen. Und es wäre doch schlimm, wenn sie im Tierheim landet, nur weil sie unausgeglichen ist. Vor allem, wo es evtl. eine ganz einfache Lösung gibt.

 

Aber wie sieht so eine Lösung aus? 

 

Es gibt viele Möglichkeiten, seine Katze auszulasten und zu beschäftigen, auch wenn man den ganzen Tag über nicht zu Hause ist.

 

Bei Einzelkatzen sollte über einen passenden Partner nachgedacht werden. Sicher muss da von Fall zu Fall entschieden werden, da es durchaus auch Katzen gibt, die lieber alleine bleiben. Aber für viele wäre ein Spielkamerad eine sehr gute Maßnahme, um Langeweile zu vermeiden.
Ein Partner bedeutet auch nicht, dass die Katze dann weniger anhänglich wird. Es mag sein, dass sie sich dann mehr mit ihrem neuen Katzenfreund beschäftigt, aber sie wird sich trotzdem noch ihre Streicheleinheiten abholen. Wenn du „Pech“ hast, hast du dann allerdings zwei Katzen auf dem Schoß. 

 

Eine dritte Ebene/Catwalk kann viel Abwechslung in das Katzenleben bringen. So kann der Stubentiger nicht nur den unteren Teil der Wohnung erkunden, sondern auch mal bis unter die Decke klettern. Viele Katzen mögen es erhöht zu liegen und von dort aus alles im Blick zu haben. Bei der Gestaltung sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Du kannst bereits fertige Catwalks kaufen, selber basteln oder von entsprechendem Fachpersonal basteln lassen, so wie wir es getan haben, da mein Mann und ich beide handwerklich nicht ganz so begabt sind. 

Leg doch eine feste Spielzeit mit deinem Liebling fest. Jeden Abend um dieselbe Zeit wird ausgiebig getobt. Das bringt beiden Seiten Spaß, nicht nur der Katze.

Du denkst, deine Katze spielt nicht gerne?

Vielleicht hast du nur noch nicht die richtige Methode oder das richtige Spielzeug gefunden. Um den Jagdtrieb zu animieren, sollte das Spielzeug ca. Beutegröße haben, wobei wir da von der Maus, des wichtigsten Beutetieres der Katze ausgehen. Ein Federspielzeug darf ruhig etwas größer sein, da Federn weniger bedrohlich wirken als ein kompaktes Spielzeug. Hast du dich für ein Spielzeug entschieden, kommt es auch beim Spiel darauf an, die Beute zu simulieren.

Auch hier gehen wir wieder von der Maus aus. Eine Maus wird eher selten auf eine Katze zu rennen oder sie von oben angreifen und ihr an die Nase stupsen. Wenn man mal eine Maus in einem geschlossenen Raum beobachtet hat, weiß man, dass sie nicht einfach frei mitten durch den Raum schlendern wird, um sich alles in Ruhe anzusehen. Sie wird viel mehr Deckung suchen und an den Wänden entlang rennen und sich, wenn möglich, hinter Sofa- oder Sesselecken verstecken. Und das möglichst immer von der Katze weg. Es gilt nun, dieses Verhalten zu simulieren, um die Neugier der Katze zu wecken. Wir spielen also am besten von der Katze weg und lassen das Spielzeug an Wänden und Schränken entlang huschen. Nicht aufgeben, wenn Miez nicht direkt Interesse zeigt. Einfach weiter machen oder es zu einem anderen Zeitpunkt wieder versuchen. Vielleicht war sie gerade nicht in der Stimmung zu jagen

 

 

Einige Katzen beobachten ihre Beute sehr genau, um die ganze Situation gut einschätzen zu können und fangen nicht direkt an zu jagen. Auch hier, nicht aufgeben, sondern immer weiter machen und das Spielzeug auch mal hinter einem Sessel verschwinden lassen, so dass die Fellnase es nicht mehr sieht. Oft ist das der Moment, in dem sie aus der Lauerstellung hervorschießt und sich auf die Beute stürzt.

Nun ist es wichtig Abwechslung zu schaffen. Die Katze will sich tarnen können, wenn sie sich auf die Lauer legt, damit sie von der Beute nicht gesehen wird. Wir können ihr also immer wieder neue Tarnmöglichkeiten bieten, um die man auch super herumspielen kann, wie z.B. um einen Sessel oder ein Tischbein. Aber auch ein Kissenberg, ein umgeschlagener Teppich, ein Karton oder ein Spieltunnel eigenen sich super zum Tarnen und drum herum jagen. Auch ein langer Grashalm unter dem Türschlitz bietet eine willkommene Abwechslung, ebenso wie ein sich bewegendes Stöckchen unter einem Handtuch.

Aber nicht nur die Maus gehört zu den Beutetieren der Katze, sondern auch Vögel und Insekten. Auch da gibt es Spielzeuge, die dies simulieren. Jede Katze hat ihre Vorlieben und da gilt es herauszufinden, was ihr am meisten Spaß macht. Am besten, man hat von allem etwas da und kann verschiedene Sachen anbieten. Nicht jeder Tag sollte gleich sein und etwas Abwechslung im Spiel wird nicht nur uns mehr Freude bereiten.

 

Abwechslung im Katzenhaushalt

Wenn kein Freigang möglich ist, sollten wir versuchen, Abwechslung in der Wohnung zu schaffen. Das geht zum einen mit unterschiedlichem Spielzeug, zum anderen aber auch, indem man ab und an mal Dinge in der Wohnung umstellt oder verändert. Lass doch einfach mal einen Wäschehaufen über Tag liegen, der dann erkundet werden kann oder rück ein Schränkchen etwas von der Wand weg, so dass Miez dahinter herlaufen kann. Bei uns ist es schon spannend, wenn ein Stuhl mal nicht am Tisch, sondern ganz woanders steht. Der wird dann erstmal untersucht und meist als Liegeplatz beansprucht. Das sind Kleinigkeiten für uns, aber für unsere Katze ist das ein kleines Abenteuer.
Du kannst auch ein paar Leckerchen in der Wohnung verstecken (am besten so, dass deine Katze es nicht mitbekommt). Dann ist sie zumindest eine Weile damit beschäftigt, ihrer Nase zu folgen, um die Leckerchen zu finden. 

 

Im Herbst bietet es sich an, eine Kiste voll Laub zu sammeln, in der die Fellnase spielen kann. Um sie dazu zu animieren, kann man auch Leckerchen oder Spielzeug (mit oder ohne Katzenminze) in der Kiste verstecken.
Wie immer sind auch hier der Fantasie keine Grenzen gesetzt. 

 

Wie du siehst kann man einiges tun, damit unsere vierbeinigen Mitbewohner sich alleine nicht langweilen. Es liegt an uns, ihr das Leben so schön wie möglich zu gestalten. Und meiner Meinung nach ist genau das auch unsere Pflicht. Schließlich haben wir uns dafür entschieden, eine Samtpfote bei uns aufzunehmen. 

 

Denkst du darüber nach einer Katze aus dem Tierschutz ein neues zu Hause zu geben und willst von Anfang an alles richtig machen, damit sie sich gut einlebt und nicht langweilt? Dann kann ich dir meinen Kurs Die Miez kommt sehr ans Herz legen.

 

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