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Warum der kätzische Haussegen schief hängen kann

Warum der kätzische Haussegen schief hängen kann

Posted by Team Tierisches-Wissen in Allgemein 01 Apr 2020

Ein Blogbeitrag unserer geschätzten Gast-Dozentin Christiane Skuza:

Katzen werden manchmal noch als Einzelgänger bezeichnet, als Tiere, die lieber allein leben. Damit tun wir unseren Samtpfoten allerdings unrecht. Katzen sind sehr soziale Tiere, die einen Partner durchaus zu schätzen wissen. Mit ihm können sie spielen, toben, kuscheln, sich gegenseitig putzen. Wir alle kennen diese wunderbaren Fotos, auf denen Katzen friedlich und ganz innig zusammenliegen.

Vielleicht fragst Du Dich jetzt, warum man dann immer wieder von Problemen im Mehrkatzenhaushalt hört, wenn Katzen doch eigentlich gern Gesellschaft haben? Nun, sie suchen sich ihre Gesellschaft eben gern selbst aus und vor allem entscheiden sie gern selbst darüber, wann sie Nähe möchten und wann nicht.

Im Zusammenleben mit uns Menschen haben die Katzen in der Regel kein Mitspracherecht bei der Partnerwahl und sie können sich auch nicht beliebig aus dem Weg gehen, da das Revier zumindest bei reinen Wohnungskatzen durch unüberwindbare Wände begrenzt ist.

 

Die Bedürfnisse einer Katze

Das Thema Bedürfnisbefriedigung spielt eine wichtige Rolle, wenn wir uns darüber Gedanken machen, was unsere Katzen zum Glücklichsein brauchen.

Ich habe immer wieder Beratungen, in denen folgendes geschehen ist:

Zwei Katzen lebten bisher friedlich miteinander. Eine Katze stirbt und der Mensch möchte nicht, dass die zurückgebliebene Katze allein lebt. Diese Katze ist 13 Jahre alt und der Mensch beschließt, ein junges Kätzchen von 12 Wochen hinzuzuholen in der Hoffnung, dass die ältere Katze so etwas wie „Mutterinstinkte“ entwickelt.

 

Ja, es ist unglaublich süß, eine Katzenmama mit ihren Babys zu beobachten, aber leider entwickeln sich derartige Muttergefühle in der vorgenannten Konstellation eher nicht…

Zurück zu meinem Beratungsfall. Der Mensch kommt glücklich und erwartungsvoll mit dem kleinen Kätzchen nach Hause, macht die Transportbox auf und freut sich auf das erste Aufeinandertreffen mit der älteren Katze und ist dann sehr erschrocken, weil die erwachsene Katze bei Annäherung des süßen Babys faucht, knurrt, haut und wegläuft. Die kleine Katze ist möglicherweise ganz irritiert, weil sie sich doch nur ankuscheln wollte – schließlich ist alles neu für sie! Hier nur der kurze Hinweis, dass man so natürlich nicht vorgehen sollte, wenn man mit einer neuen Katze nach Hause kommt. Die erste Begegnung will gut vorbereitet werden!

Auch in den nächsten Tagen wird es nicht besser. Die Kleine sucht immer wieder die Nähe der Großen, diese will aber überhaupt nichts von ihr wissen. Sie zieht sich also mehr und mehr zurück und kommt auch nicht mehr zu ihrem Menschen – so hatte dieser sich das allerdings nicht vorgestellt…

Was ist da schief gelaufen? Zunächst darf man nicht vergessen, dass auch Katzen um ihren verlorenen Partner trauern können, gerade, wenn es eine sehr innige Beziehung war. Sie tun dies auf unterschiedliche Art und Weise und unterschiedlich lange. Wir Menschen können weder für uns, noch für die Katze diesen Verlust ersetzen. Was man in solchen Fällen bedenken sollte, ist jedoch ein anderes Thema.

 

Zurück zu den Bedürfnissen: eine 13-jährige Katze, auch wenn sie insgesamt noch sehr aktiv ist, hat sicherlich ein größeres Ruhebedürfnis als ein 12 Wochen altes Kätzchen, das noch ihr ganzes Leben vor sich hat.

Werde ich gefragt, ist das keine Konstellation, die ich empfehle. Man tut in der Regel weder seiner älteren Katze, noch dem kleinen Weltentdecker einen Gefallen – und sich selbst auch nicht, weil allein durch die unterschiedlichen Ansprüche Probleme vorprogrammiert sind.

Bei der Auswahl eines Katzenpartners sollte der Mensch also ganz genau hinschauen, ob und wenn ja, welcher Katzentyp zur bereits im Haushalt lebenden Katze passt.

 

Meins! Meins! Meins!

Ressourcen sind ebenfalls ein ganz wichtiges Thema im Mehrkatzenhaushalt. Dazu zählen z.B. Futter, Wasser, Katzentoiletten, Beobachtungs-, Rückzugs- und Schlafplätze, Spielzeug, Bezugspersonen u. v. m.

Für eine Katze ist es wichtig, Futter oder die Katzentoilette immer ungehindert und ungestört aufsuchen zu können. Es birgt Stresspotenzial, wenn die Futterplätze dicht nebeneinander stehen und eine Katze das Gefühl hat, immer schauen zu müssen, wie es im Futternapf neben ihr aussieht oder Angst hat, dass der Katzenpartner sie vom Napf vertreibt.

Auch die Katzentoilette kann zum Spannungspunkt werden. Vor allem Haubentoiletten laden dazu ein, sich auf den Deckel zu setzen oder auch direkt vor den Ein-/Ausgang, so dass man sich vorstellen kann, was das für die Katze bedeutet, die gerade dringend ihr Geschäft verrichten möchte.

Bestimmte Plätze z. B. in der Sonne oder in kalten Tagen auf der warmen Fensterbank sollte es im Mehrkatzenhaushalt immer genug geben, damit die Katzen sich darum nicht streiten müssen. Plätze in luftiger Höhe oder auch in Höhlen auf dem Boden, eine gute Raumstruktur, verschiedene Kratzangebote usw. helfen den Katzen, sich bei Bedarf aus dem Weg zu gehen und trotzdem ihre Lieblingsplätze ungehindert aufsuchen zu können.

 

Die Ressource Mensch steht für unsere Wohnungskatzen natürlich ganz hoch im Kurs. Wir sollten darauf achten, dass jede einzelne Katze ihre Spiel- und Kuschelzeit bekommt. Gemeinsames Spielen mit mehreren Katzen kann man versuchen, allerdings sind die Spielvorlieben und die Charaktere unserer Samtpfoten in der Regel so unterschiedlich, dass beim gemeinsamen Spiel die eine oder andere Katze das Nachsehen hat, weil sie vielleicht ein eher zurückhaltender Typ ist.

In meinen Beratungen erlebe ich es häufig, dass Menschen die Bedürfnisse von Katzen gar nicht kennen. Bevor ich mich intensiv mit dem Wesen Katze auseinandergesetzt habe, ging es mir nicht anders. Ich bin sehr dankbar, dass meine Kunden das Wissen um unsere Samtpfoten begeistert aufnehmen und in die Umsetzung gehen. Die Fotos und Videos, die ich hinterher bekomme, machen mich glücklich und bestärken mich darin, Menschen die Welt der Katzen näher zu bringen.

 

In diesem Sinne wünsche ich Euch und Euren Samtpfoten ein friedliches und verständnisvolles Miteinander!

Wenn Du mehr über den Mehrkatzenhaushalt erfahren möchtest, melde Dich gerne zu meinem Kurs an:

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© Christiane Skuza 2020 – Urheberrechtshinweis

Dieser Artikel ist urheberrechtlich geschützt. Das Urheberrecht liegt, soweit nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, bei der Autorin Christiane Skuza. Bitte fragen Sie Christiane, falls Sie die Inhalte dieses Artikels verwenden möchten. Das Teilen des Links ist mit Angabe des Urhebers erlaubt.

Mehr über Christiane erfährst Du hier: Katzenlächeln

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