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Diabetes bei Katzen – absolut nichts Süßes!

Diabetes bei Katzen – absolut nichts Süßes!

Posted by tw-Schule in Allgemein 15 Feb 2019

Ein Blogbeitrag unserer geschätzten Dozentin Corinna Dördelmann:

Hast du schonmal gehört, dass eine Wildkatze Diabetes bekommt? Ich auch nicht. Aber warum können dann unsere Stubentiger daran erkranken. Gefühlt kommt es auch immer häufiger vor, dass unsere Fellnasen mit Insulin versorgt werden müssen. Warum ist das so?

 

Ein sehr wichtiger Faktor ist die Ernährung und damit verbunden das Übergewicht. Beides kann eine Zuckerkrankheit begünstigen.

 

Was ist das überhaupt – Diabetes?

 

Diabetes mellitus ist eine Krankheit, bei der der Blutzuckerspiegel chronisch erhöht ist. Grund dafür ist ein Insulinmangel, der verschiedene Ursachen haben kann. Diabetes wird in zwei unterschiedlichen Typen eingeteilt: Beim Typ 1 handelt es sich um eine stark verminderte oder fehlende Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse (BSD). Die Ursache ist hier aber meist genetisch bedingt oder durch infektiöse Prozesse hervorgerufen. Beim Typ 2 handelt es sich um eine gestörte Insulinsekretion aus der Bauchspeicheldrüse. Hinzu kommt eine Insulinresistenz der Zielorgane, was meist eine Folge von Fehlernährung und Übergewicht ist. Also die Form der Diabetes, die auch bei unseren Katzen entstehen kann, wenn sie nicht tiergerecht ernährt werden.

 

Ein sehr wichtiger Energielieferant sind die Kohlenhydrate bzw. die Glukose. Diese werden entweder in Form von Glykogen in der Leber gespeichert oder können in den Körperzellen direkt zu Energie umgesetzt werden. Aber wie gelangt die Glukose in die Zellen? Die Bauchspeicheldrüse produziert Insulin, das den Blutzuckerspiegel senkt, indem es an bestimmte Rezeptoren an der Zelloberfläche andockt. Dadurch kann die Glukose in die Zelle eindringen. Das kann man sich ein wenig wie ein Schlüssel-Schloss-Prinzip vorstellen. Das Insulin schließt die Tür auf und die Glukose kann dann in die Zelle eintreten. Glukose wird in jeder einzelnen Zelle ständig im Körper gebraucht. Es muss also immer ausreichend Insulin vorhanden sein, um alle Zellen aufschließen zu können. Fehlt es bzw. kann es die Zellen nicht aufschließen, wie im Falle von Diabetes Typ 2, geschieht folgendes:

 

– Es kann keine Glukose an die Zellen abgegeben werden, die diese zur Energiegewinnung benötigen. Die Katze ist schwach und ständig müde.

– Die Leber produziert immer mehr Glukose, die im Blut verbleibt und nicht in die Zellen aufgenommen werden kann.

– Insulin kann auch Körperfett aufbauen und dafür sorgen, dass es eingelagert wird. Fehlt nun Insulin, wird das eingelagerte Fett als Fettsäuren in großen Mengen ins Blut abgegeben. Es kann so gravierende Folgen für den Stoffwechsel haben (Stichwort Übersäuerung).

– Die Bauchspeicheldrüse produziert weiter Insulin, da ja immer noch zu viel Glukose im Blut ist. Irgendwann ist sie allerdings erschöpft und stellt die Arbeit langsam ein.

 

Um die anfallende Glukose loszuwerden, versuchen die Nieren so viel wie möglich davon auszuscheiden. Sie arbeiten also auf Hochtouren. Dafür benötigen sie allerdings viel Wasser. Die Katze hat ständig Durst und scheidet dementsprechend viel Urin aus. In diesem ist übrigens vermehrt Glukose nachweisbar.

 

 

 

 

Was hat nun das Übergewicht mit einem Diabetes mellitus Typ 2 zu tun?

Fettgewebe besitzt sehr wenig Insulinrezeptoren, so dass selbst bei ausreichend körpereigener Insulinproduktion nicht genug Insulin aufgenommen werden kann und dessen Wirkung stark herabgesetzt sein kann. Es entsteht eine Insulinresistenz, mit oben beschriebenen Folgen.

Übergewicht ist allerdings nur ein Risikofaktor für Diabetes mellitus. Dazu kommen noch Bewegungsmangel, was natürlich auch aus Übergewicht resultieren kann, eine Bauchspeicheldrüsen-Erkrankung, hormonelle Störungen, Medikamente oder auch genetisch bedingte Ursachen.

 

Braucht meine Katze Zucker als Energielieferant?

 

Ja, das hast du gerade eben weiter oben noch gelesen: Glukose, also Zucker oder Kohlenhydrate sind wichtige Energielieferanten. Also ist es doch super, wenn meine aktive Katze ein Futter mit viel Zucker oder Getreide, das ja hauptsächlich aus Kohlenhydraten besteht bekommt, oder?

 

Katzen können tierische Proteine in Glukose umwandeln und daraus Energie ziehen. Sie brauchen daher keine Zufuhr von Zuckern/Kohlenhydraten, die sich hauptsächlich in pflanzlicher Nahrung befinden (sie fungieren in den Pflanzen als Stützsubstanz). Sie können Kohlenhydrate auch nur in geringem Maße umsetzen. Zur Zersetzung von Zucker in verwendbare Bestandteile ist ein hochsensibles und aufeinander abgestimmtes System verschiedener Enzyme notwendig, die teilweise nur eine sehr geringe Aktivität im Katzenorganismus aufweisen. Daher ist die Miez kaum dazu in der Lage Zucker zu verwerten. Nichtsdestotrotz versucht der Körper sie um- und abzubauen und zu verwerten. Kurzkettige Kohlenhydrate werden in die Blutbahn aufgenommen. Sie können so zu Diabetes und/oder Übergewicht führen, da sie nicht wirklich gebraucht, aber eingelagert werden können. Zum Teil werden sie auch wieder ausgeschieden und belasten so die Nieren. Eine Vielzahl von Krankheiten kann mit der übermäßigen Zufuhr von Kohlenhydraten verbunden sein. Und bei einer Ernährung mit vielen tierischen Proteinen und Fetten sind sie nicht notwendig, da die Katze, wie gesagt, ihre Energie aus diesen Stoffen zieht.

 

Du siehst also, Zucker bzw. Kohlenhydrate sind nicht nur nicht nötig in der Katzenernährung, sie können sogar schädlich sein. Daher ist ein Blick auf’s Etikett beim Kauf von Katzenfutter immer sinnvoll. Es sollte möglichst kein Getreide enthalten und vorwiegend aus Fleisch bestehen.

 

Schauen wir uns an, wie sich die Vorfahrin unserer Hauskatzen, die Falbkatze ernährt. Damit ist eigentlich klar, was der Hauptbestandteil des Katzenfutters sein sollte. Sie ist ein Fleischfresser und ernährt sich vor allem von kleinen Beutetieren wie Mäusen, Ratten, Kaninchen, Vögel, Eichhörnchen oder auch Insekten, Eidechsen und Fisch. Die einzige pflanzliche Nahrung, welche die Katze zu sich nimmt, ist das schon vorverdaute Grünzeug im Magen ihrer Beutetiere.

 

 

„Ich esse meine Suppe nicht! Nein, meine Suppe ess’ ich nicht!“

 

Keine Panik. Es ist nie zu spät die Ernährung seiner Katze umzustellen. Allerdings machen uns die Felltiger oft einen Strich durch die Rechnung, da sie ganz schöne Mäkeltanten und –onkel sein können (Stichwort Neophobie).

 

Aber, nicht aufgeben. Du bist die Stärkere und irgendwann wird das auch deine Katze verstehen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten ihr neues Futter schmackhaft zu machen. Hier ein paar Tipps dazu:

 

– Die einfachste Methode ist es, bei jeder Fütterung eine kleine Schale mit dem neuen Futter neben das alte zu stellen. Mit etwas Glück probiert sie es nach ein paar Tagen und es schmeckt ihr, so dass das alte Futter weggelassen werden kann.
– Das neue Futter in kleinen Mengen unter das bisherige Futter mischen. Wird das akzeptiert, kann man die Menge nach und nach erhöhen.
– Dem neuen Futter etwas Thunfisch/Thunfischwasser (in eigenem Saft und nicht in Öl), Leberwurst, Butter, Hühnerbrühe (am besten selbstgekocht, da sie dann keine Gewürze enthält), Saucen, Blut oder was immer der Katze gut schmeckt untermischen. Allerdings sollte man Leberwurst, Saucen und alles was viele Gewürze enthält nur bei gesunden Katzen verwenden und nicht über einen zu langen Zeitraum geben.
– Auch geriebener Parmesan, Bierhefeflocken oder Trockenfutterbrösel können über das Futter gestreut werden. Sie riechen intensiv und locken die Miez an.
– Die Neugier der Katze ausnutzen. Leg ihr Futter einfach auf einen Teller und tue so, als würdest du es essen. Vielleicht wird die Katze dann angelockt und probiert es einfach mal. Oder den Teller einfach mal stehen lassen, so dass die Katze das Futter „stehlen“ kann.
– Das Futter leicht erwärmen, so dass es für den Tiger intensiver und interessanter riecht. Das hilft oft auch bei älteren Katzen, die nicht mehr so gut riechen können und daher häufig das Futter verweigern.

 

Wer mehr zu diesem Thema erfahren möchte, dem kann ich nur wärmstens die Kurse Futterumstellung bei Katzen, Die dicke Katze und Blick auf’s Etikett ans Herz legen.

 

 

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